Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in der Gemeinde Bruck 2015

Sebastian Gärtner Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in der Gemeinde Bruck

Bruck an der Großglocknerstraße hatte in der Zeit des Nationalsozialismus, 1938 bis 1945, eine besondere Stellung inne. Mindestens 80 Menschen wurden Opfer des NS−Regimes. Davon wurden mindestens 55 Menschen durch den Nazi−Terror ermordet. Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus verschiedenen Ländern schufteten beim Bau der Schleppbahn vom Bahnhof Bruck nach Kaprun, im Magnesitwerk Judendorf, beim Bau des Güterwegs St. Georgen und in der Landwirtschaft. Schloss Fischhorn war in Händen der Waffen−SS, die hier ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau führte. Manche Opfer übten politischen Widerstand, Kritik an den Nazis oder dem Krieg. Andere waren Deserteure und wurden verhaftet oder direkt bei der Ergreifung niedergeschossen. Menschen, die den Verfolgten Hilfe leisteten oder verbotenen Kontakt zu ihnen hatten, wurden dafür oft selbst denunziert und verfolgt. Manche wurden zu langjährigen schweren Zuchthausstrafen verurteilt oder in Konzentrationslager geschickt, einige zum Tode verurteilt und hingerichtet. Die bedeutend größte Zahl der Opfer in Bruck befand sich aber unter Menschen mit Beeinträchtigung, deren Leben von den Nazis als "unwert" bezeichnet wurde.

Sebastian Gärtner Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in der Gemeinde Bruck

In der Einrichtung der Caritas in St. Anton wurden aus ganz Österreich stammende Menschen mit Beeinträchtigung von katholischen Ordensfrauen betreut. Die Schwestern versuchten das Leben der ihnen Anvertrauten zu schützen. Doch mindestens 48 jener geistig beeinträchtigten Menschen, die zuvor zeitweise in St. Anton gelebt haben, meist Kinder und Jugendliche, kamen während der NS−Zeit um. Acht ehemalige BewohnerInnen starben unter ungeklärten Umständen in den Heil− und Pflegeanstalten Niedernhart und Mauer−Öhling, zwei wurden in der Kinderfachabteilung "Am Spiegelgrund" und 38 in der Tötungsanstalt Hartheim ermordet.
2015 beauftragte die Caritas Salzburg in Kooperation mit der Gemeinde Bruck den bildenden Künstler Sebastian Gärtner, ein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Bruck zu entwerfen. Bestehend aus zwei dunklen Stelen, die von einem Riss durchbrochen werden, welcher im gepflasterten Boden seine Fortsetzung findet, veranschaulicht das Mahnmal den irreversiblen Bruch, welchen die Gräuel des Nationalsozialismus hinterließen. Zugleich werden durch den Riss Textfragmente - und damit eine, vom Vergessen bedrohte Geschichte offengelegt, die unter der Oberfläche schlummert. Der Text wurde vom Schriftsteller Alexander Dick verfasst, das Mahnmal wurde mit Hilfe der KlientInnen vor Ort umgesetzt.

Sebastian Gärtner Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in der Gemeinde Bruck